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Der Arbeitsalltag eines deutschen Anwaltes auf Mallorca ist
im Wandel. Seit dem 1. August 2002 kann jeder deutsche Anwalt
deutschlandweit nicht nur vor allen Landgerichten, sondern
auch vor allen Oberlandesgerichten gerichtlich tätig
werden. Die frühere Beschränkung auf die Gerichtsbezirke
des jeweiligen Kanzleistandortes wurden endlich!
aufgehoben.
Für spezialisierte und international tätige Anwälte
eine überfällige Erleichterung. Zugleich ist das
ein Vorteil für die Mandantschaft. Sie ist von der Kostentragung
für den Korrespondenzanwalt und den Prozessanwalt entlastet.
Bedeutung erlangen nun die guten Flugverbindungen von Mallorca
aus. Innerhalb von ca. 2 Stunden sind die meisten Flughäfen
in Deutschland von Palma de Mallorca aus zu erreichen.
Selbst bei einem zentralen deutschen Kanzleistandort wie
Würzburg mit guter IC-Anbindung ergeben sich hier oft
Zeit- und Kostenvorteile bei einer Anreise von Mallorca aus.
So sieht der Arbeitsalltag eines auch auf Mallorca
tätigen deutschen Anwaltes heutzutage oft so aus, dass
an 3-4 Arbeitstagen pro Monat Gerichtstermine in den verschiedensten
Städten in Deutschland auf dem Arbeitsplan stehen: Abflug
Palma 7:30 Ankunft Hamburg 9:45 Gerichtstermin
Landgericht Hamburg 11:30 Rückflug Hamburg-Palma
16:15.
Auf dem Monatsplan stehen dann beispielsweise Familiengericht
Oldenburg (Kindesentführung), Amtsgericht
Saarbrücken (Erbscheinsangelegenheit), Landgericht
Traunstein (Forderungsangelegenheit).
Warum aber wird in all diesen Angelegenheiten gerade ein
deutscher Anwalt in Mallorca beauftragt? Weil die Angelegenheiten
spezifischen Bezug zu Mallorca aufweisen:
Das Kind wurde von Mallorca aus nach Deutschland entführt.
Der Beerbte hatte Grundvermögen in Spanien und die Forderungsangelegenheit
resultiert aus einem Bauvorhaben aus Mallorca. Bei der Kindesentführung
besteht zudem die Perspektive einer zukünftigen Entscheidung
über das Sorgerecht vor einem mallorquinischen Gericht.
Über Mangel an Abwechslung kann man sich also als auf
Mallorca tätiger deutscher Anwalt nicht beklagen. Nach
einem Deutschland-Gerichtstermin kann man den Arbeitstag dann
mit einem nächtlichen Mittelmeerbad ausklingen lassen,
um dann am nächsten Tag ab 6 Uhr früh einige kühlere
Stunden zur Weiterarbeit zu nutzen.
Aber auch deutschlandweit wird man zwischenzeitlich überregional
als Anwalt in Anspruch genommen, und zwar immer dann, wenn
man sich als Anwalt auf eine bestimmte Rechtsmaterie, wie
beispielsweise Erbrecht, spezialisiert hat.
Die spezifischen Fachkenntnisse sind dann für den Mandanten
wertvoller als die örtliche Nähe, insbesondere bei
höheren Streitwerten. Fax- und email-Technik minimieren
die Kommunikationsprobleme. Der Faxeingang ist bei deutschen
Gerichten mittlerweile durchgehend fristwahrend.
Günter Menth
Rechtsanwalt / Abogado inscrito
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