| Einen erbrechtlichen Leitfaden,
speziell für die Frau, hat nun das Deutsche Forum für
Erbrecht e.V. herausgegeben. Erhältlich ist dieser von
Prof. Dr. Klaus Michael Groll herausgegebene Leitfaden über
ISBN 3-933320-09-07.
Warum eine besondere erbrechtliche Publikation gerade für
Frauen?
Macht das deutsche Erbrecht oder das Recht anderer europäischer
Länder, wie Spanien, etwa tatsächlich noch Unterschiede
zwischen Frauen und Männern?
Nun, diese Problematik haben die meisten europäischen
Rechtsordnungen zwar zwischenzeitlich überwunden, wenngleich
sich Frauen in vielen Ländern erst im letzten Jahrhundert
ihr Erbrecht erkämpfen mussten.
Das Problem liegt heute in der Lebenswirklichkeit.
Oft werden Frauen veranlasst, in Ehe- und Erbverträgen
auf zentrale Erb- und Pflichtteilsrechte zu verzichten.
Mangels genauer Kenntnis der Rechtsfigur des Vorerben
werden Frauen als Vorerbinnen häufig praktisch
rechtlos gestellt.
Weiterhin geht es aber auch darum, dass Frauen als Erbinnen
entsprechend fachgerecht mit ererbten Unternehmensanteilen
oder Immobilien umgehen und ihre Interessen bei der Auseinandersetzung
von Erbengemeinschaften gegen geschäftserfahrene Brüder
oder Söhne geltend machen.
Schliesslich gilt es, die Pflichtteilsansprüche von
Frauen konsequent auch bei lebzeitig verschenkten oder verschwundenen
Vermögensgegenständen nicht ins Leere laufen zu
lassen.
Das rechtliche Instrument ist hier die Geltendmachung des
sogenannten Pflichtteilsergänzungsanspruches. Dieser
ermöglicht die Berücksichtigung auch der in den
letzten zehn Lebensjahren verschenkten Vermögensgegenstände
seitens des Vererbers zugunsten des Pflichtteilsberechtigten.
So hat die Rechtsanwältin Ingeborg Copp-Menth der Thematik
Frauen und Erbrecht eine extra Internetseite gewidmet:
www.erbrecht-fuer-frauen.de
Darin finden Sie auch einen Hinweis auf Umfrageergebnisse,
welche die spezifische erbrechtliche Sonderstellung
der Frauen unterstreichen. So beerben beispielsweise 70 %
der Ehefrauen ihre Ehemänner, während die umgekehrte
Situation nur in 30 % der Fälle eintritt.
Hingewiesen wird in dieser Website auch auf Netzwerke, in
welchen sich Erbinnen grösserer Erbschaften untereinander
austauschen, Netzwerke, welche in den Vereinigten Staaten
schon eine gewisse Tradition haben und in Europa eher im Aufbau
begriffen sind.
Näheres hierzu findet sich u.a. in dem Buch von Marita
Haibach Frauen erben anders· (ISBN 3-89741-075-3),
in welchem die Autorin Erbinnen auffordert, mutig mit ihrem
Vermögen umzugehen
Nun, die Weihnachtszeit und der Jahreswechsel laden zu Besinnlichem
ein und auch einmal über den Alltag hinaus zu denken.
Ideal, um in Ruhe über den Generationenwechsel zu reflektieren
und langfristig wirkende Entscheidungen vorzubereiten.
Günter Menth
Rechtsanwalt / Abogado inscrito
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